Viele Menschen, viele Ideen

In den letzten Blogeinträgen haben wir hauptsächlich von neuen Schiffsbewohnern berichtet. Dieses Mal geht es um Stadtbewohner – wie uns die Megastädte zeigen ein weitaus globaleres Thema.

Während 1975 nur 38 Prozent aller Menschen Stadtbewohner waren, lebten 2008 bereits mehr Menschen in Städten als auf dem Land – Tendenz steigend. Insbesondere in Asien und Südamerika entstehen hierdurch sogenannte Megastädte. Das sind Städte mit mindestens 10 Millionen Einwohnern. Die Vereinten Nationen zählen derzeit 35 Städte und Stadtregionen hierzu. Man kann sich gut vorstellen, dass Städte dieser Größenordnung extremen Problemen gegenüberstehen. Funktionierende Verkehrssysteme, ausreichend Wohnraum oder die Versorgung der Millionen Bewohner mit sauberem Wasser und Nahrung haben hier eine komplett andere Größenordnung. Die Stadtverwaltungen kommen daher bei der Erfüllung dieser Aufgaben oft an ihre Grenzen.

An vielen Orten nehmen die Stadtbewohner diese Aufgaben deshalb einfach selbst in die Hand. Sie organisieren zum Beispiel die Abfallentsorgung oder das öffentliche Transportwesen. Ohne die unbürokratischen, dynamischen und kreativen Initiativen ihrer Stadtbewohner wäre der Lebensalltag in den rasant wachsenden Megastädten für den Großteil der Bevölkerung schlichtweg nicht zu bewältigen.

Unser Exponat „Leben in der Megastadt“ vom DFG-Schwerpunktprogramm „Megacities – Megachallenge. Informal Dynamics of Globale Change“ beleuchtet genau diese informellen, also ungeplanten und selbstorganisierten Strukturen und Prozesse in Megastädten am Beispiel der Städte Dhaka (Bangladesch) und Guangzhou (China).

Wie auch Megastädte selbst, wirken die „Megacity-Türme“ unserer Ausstellung auf den ersten Blick grau und nicht besonders reizvoll. Wagt man jedoch einen zweiten Blick und stöbert durch die einzelnen, künstlerisch gestalteten Schubladen, so eröffnen sich viele unerwartete Einblicke in die vielseitige, farbenfrohe und spannende Welt der Megastädte.

Auch wenn die Städte und Probleme in Deutschland längst nicht so groß sind, zeigen uns die unterschiedlichen informellen Strukturen in Megastädten, wie wichtig es sein kann, sich als Stadtbewohner gerade dort aktiv in der eigenen Stadt und Nachbarschaft zu engagieren, wo die Stadtverwaltungen an ihre organisatorischen und finanziellen Grenzen stoßen. Viele Initiativen und Projekte, wie Bürgerbusse und Repair-Cafès, machen das hierzulande vor –, möglicherweise auch in Eurer Stadt!