Den Daten auf der Spur

Im Ausstellungsraum der MS Wissenschaft wird in diesem Jahr nicht nur über Forschung zur Zukunftsstadt berichtet – einige Aspekte werden sogar von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Otto-Friedrich-Universität Bamberg direkt an Bord erforscht. Am Exponat „Gute Daten, schlechte Daten“ können die Besucher selbst herausfinden was es bedeutet, in einer smarten Umgebung zu leben, in der sensible Daten von Sensoren automatisch erhoben, verarbeitet und gespeichert werden.

Denken wir an Sensoren, fällt uns vielleicht der automatische Papierhandtuchspender an der Autobahnraststätte ein. Aber welche Rolle werden die von ihnen gesammelten Daten in der Stadt der Zukunft spielen? Prof. Dr. Daniela Nicklas und ihre Kolleginnen und Kollegen vom Lehrstuhl für Informatik, insbesondere Mobile Software Systeme an der Uni Bamberg, interessiert genau dieses Forschungsfeld.

Auf dem Weg zum gläsernen Bürger?

Prof. Dr. Daniela Nicklas vom Lehrstuhl für Informatik, insbesondere Mobile Systeme / Mobilität. Foto: Jürgen Schabel / Universität Bamberg

Prof. Dr. Daniela Nicklas vom Lehrstuhl für Informatik, insbesondere Mobile Systeme/ Mobilität. Foto: Jürgen Schabel/Universität Bamberg

In Zukunft wird es, gerade in Städten, immer mehr untereinander vernetzte Systeme geben, die etwas messen, Daten untereinander austauschen und auswerten. Die zentrale Frage ist deshalb nicht mehr nur, was wir alles wissen möchten – sondern auch, was wir alles nicht wissen möchten. Unter dem Aspekt des Datenschutzes möchten die Forscher konkret herausfinden, auf welche Weise viele nützliche Anwendungen gestaltet werden können, ohne gleichzeitig den gläsernen Bürger zu schaffen.

„Datenmanagement-Forschung macht ohne echte Daten nur keinen Spaß“, erklärt Nicklas. Die Mitarbeiter des Lehrstuhls wünschten sich ein reales Szenario mit echten Sensoren: die Idee für das „Living Lab“ war geboren. Projektziel ist es, Bamberg in ein lebendiges Labor verwandeln, welches nicht nur den Wissenschaftlern, sondern auch den Bürgern offen steht. Schließlich sind es unter anderem deren Daten, die gesammelt werden.

Das Ausstellungsschiff als Labor für die Zukunftsstadt

Den Auftakt des Forschungsprojekts macht die Ausstellung an Bord der MS Wissenschaft, auf der anonymisierte Besucherdaten gesammelt werden. Das dort temporär installierte Sensornetzwerk lässt erahnen, welche Spuren jeder im Alltag hinterlässt, und was diese über uns verraten können. Das sind zum Beispiel Bewegungsinformationen, welche über die WLAN- und Bluetooth-Funktion von Mobiltelefonen gesammelt werden können. Auf dem Schiff platzierte Kameras messen die Verweildauer, Bewegungsgeschwindigkeit und die ungefähre Körpergröße der Besucher in der Ausstellung oder an einzelnen Exponaten.

Das Exponat "Gute Daten, schlechte Daten" im Einsatz auf der MS Wissenschaft. Foto: Ilja Hendel/WiD

Das Exponat „Gute Daten, schlechte Daten“ im Einsatz auf der MS Wissenschaft. Foto: Ilja Hendel/WiD

Das Bildschirmterminal am Ausstellungsstück „Gute Daten, schlechte Daten“ macht diese Spuren schließlich für die Besucher sichtbar. Fiktive Szenarien veranschaulichen an einem Simulator, wie diese Daten von Dritten missbraucht werden könnten. Als kleines Gimmick können mit Hilfe einer eigens programmierten Museumsführer-App die Ausstellungslotsen lokalisiert werden, falls es noch Fragen gibt.

Auf dem Straßenfestival „Bamberg zaubert 2015“ und der 65. Bamberger Sandkerwa, einem lokalen Volksfest, kam diese Tracking-Technologie bereits zum Einsatz. Nach Auswertung können die Daten den Organisatoren etwa dabei helfen, die Standverteilung zu ändern oder das Sicherheitskonzept anzupassen.

Gute Daten, schlechte Daten?

Das Forschungsprojekt der Bamberger baute von Anfang an auf eine starke Bürgerbeteiligung: nur so können die Einwohner möglichst früh in direkten Kontakt mit neuen Technologien kommen. „Wenn jemand etwas bestimmtes wissen möchte, können wir jederzeit den Datensatz oder die entsprechende Infrastruktur zur Auswertung bereitstellen“, so Prof. Nicklas. Dadurch soll ein gegenseitiger Austausch entstehen. Auch kritische Aspekte wie das Thema Privatsphäre haben ihren Platz.

Gibt es also – wenn man den Namen des Exponats wörtlich nimmt – eine scharfe Trennlinie zwischen „guten“ und „schlechten“ Daten? Prof. Nicklas verneint: „Es ist ähnlich wie mit dem Autofahren oder mit einem Messer – niemand möchte zur Fortbewegung oder zum Gemüseschneiden mehr darauf verzichten müssen. Dennoch kann ich bei falschem Gebrauch Menschen verletzen. Nicht immer ist alles auf technischer Seite lösbar, und es müssen andere Wege gefunden werden.“

Hierzu sind neue gesellschaftliche Normen und Gesetze gefragt – ein Prozess, der beim Thema Datenschutz gerade erst einsetzt. Projekte wie dieses sind ein wichtiger Schritt, um ein Umdenken in Gang zu setzen.

 

Das Projekt wurde finanziell ermöglicht durch die TechnologieAllianzOberfranken sowie die Oberfrankenstiftung.