Digital unterwegs

Willkommen in der digitalen Gesellschaft!

Die Welt, in der du lebst, wird immer digitaler: Vom Stadtplan, der dir den Weg zeigt, über die Freundschaften, die du pflegst, bis hin zu den Merkmalen die dich unverwechselbar machen. Alles, was du weißt, tust und bist, ist Information, die sich mit Hilfe von Computern bearbeiten, senden, speichern lässt.

Dass das alles so ist, liegt an Rechenzentren und PCs, an Smartphones und Datenbrillen, an intelligenten Häusern und Autos, die immer enger miteinander vernetzt sind. Zusammen mit den Menschen, die sie nutzen, bilden sie ein „Globales Gehirn“: Ein die Welt umspannendes System aus Zellen, Schaltstellen und Leitungen, das sich selbst organisiert, Informationen verarbeitet und Neues hervorbringt.

Diese Ausstellung handelt davon, wie diese globale Vernetzung unsere Wirtschaft und unser Arbeitsleben, unser Wissen und unser Miteinander auf eine neue Weise organisiert. Die Exponate zeigen dir, was an wissenschaftlichen Instituten und Hochschulen dazu geforscht wird. Zum Auftakt zeigt ein Zeitstrahl die wichtigsten Stationen der Geschichte des Menschen und seiner technischen Medien. Er führt uns mitten hinein in die Informationsexplosion der Gegenwart.

Viel Spaß!

Evolution der Sprache – aus Lauten werden Worte

Seit mindestens 50.000 Jahren ist die Sprachfähigkeit des Menschen voll entwickelt. Kehlkopf, Zunge, Lippen und Atmung entwickelten sich bei ihm anders als bei allen anderen Primaten, sodass er mit ausgeatmeter Luft eine Vielzahl von speziellen Lauten bilden kann. Gleichzeitig lernte das Gehirn, diese Lautbildung zu koordinieren und zu verstehen. So ist der Mensch in der Lage, Gedanken in unendlicher Zahl und Komplexität zu formulieren und anderen mitzuteilen.

ca. 50.000 v. Chr.

Entwicklung der Sprachfähigkeit
Entwicklung der Sprachfähigkeit

Schrift als Speicher – Wissen löst sich vom Gedächtnis

Schrift entsteht als Mittel, Informationen festzuhalten, zu speichern und zu übermitteln. Bei den ersten bekannten schriftlichen Aufzeichnungen handelt es sich um landwirtschaftliche Listen und Tabellen. Die Vorläufer der heutigen westlichen Schriftzeichen sind bildhafte Darstellungen von Gegenständen. Im Laufe von Jahrhunderten entwickeln sich daraus abstrakte Zeichen, die für sprachliche Laute stehen und sich zu immer neuen Wortschöpfungen kombinieren lassen. So können Wissen, Daten und Erzählungen originalgetreu und über große räumliche und zeitliche Entfernungen weitergegeben werden.

11.000 v. Chr.

Höhlenmalerei in Valtorta
Höhlenmalerei in Valtorta

Von der Handschrift zum Buchdruck – massenhafte Vielfalt

Um 1450 bringt der Mainzer Goldschmied Johannes Gutenberg die Buchstaben zum Tanzen. Er entwickelt eine Technik, bei der einzelne Lettern aus Metall zu immer neuen Texten zusammengesetzt, mit Farbe bestrichen und auf einen Papierbogen gepresst werden: den Buchdruck.

Bis zu dieser Erfindung konnten Texte nur vervielfältigt werden, indem man sie von Hand abschrieb. Gutenbergs Druckverfahren erlaubte erstmals die massenhafte Anfertigung identischer Kopien. Eine starke Zunahme der Buchproduktion setzt allerdings erst rund 300 Jahre später ein.

1448

Gutenbergpresse
Gutenbergpresse

Medien für die Massen – Bild, Ton und Text als Industrieprodukt

Im 19. Jahrhundert entstehen die ersten Verfahren, um Licht und Schall auf materiellen Trägern festzuhalten. Fotografie, Grammofon und Film machen Bild, Ton und Bewegung konservierbar. Gleichzeitig schafft die Industrialisierung die Mittel, um Fotos, Filme und Schallplatten beliebig oft zu reproduzieren.

Telegrafie, Telefon und Radio beschleunigen Text und Sprache nahezu auf Lichtgeschwindigkeit und schicken sie rund um den Erdball. Im 20. Jahrhundert nimmt das Fernsehen alle diese Medien in sich auf. Es sorgt für eine weltumspannende Verbreitung bewegter Bilder in Echtzeit.

1872

Telefon nach Graham Bell
Telefon nach Graham Bell

1933

Volksempfänger
Volksempfänger
© Dubaj [Public domain], via Wikimedia Commons

Computertechnologie – von der Rechenmaschine zum Heimcomputer

Eine Maschine, die mit einer Sprache aus Nullen und Einsen jeden Aspekt der Wirklichkeit beschreiben kann: Die Idee, die hinter dem Computer steckt, stammt aus dem 17. Jahrhundert, doch erst im 20. Jahrhundert ist man technisch in der Lage, eine solche Maschine zu bauen.

Der erste Computer von 1938 ist groß wie eine Garage und führt eine Rechenoperation pro Sekunde durch. Ab 1971 ermöglichen Mikrochips eine revolutionäre Verkleinerung der Rechner. In den 1980ern halten Heimcomputer zunehmend Einzug in Privathaushalte. Microsoft Windows und der Apple Macintosh sorgen mit von Laien bedienbaren Benutzeroberflächen für eine großflächige Verbreitung.

1941

Erster funktionsfähiger Computer Z3 von Konrad Zuse
Erster funktionsfähiger Computer Z3 von Konrad Zuse

1977

Erster PC
Erster PC
© Marcin Wichary [Public domain], via Wikimedia Commons

Die Entstehung des Internet – ein Netz für Milliarden

Das Funktionsprinzip des Internet: Alle Daten, die zwischen zwei Geräten verschickt werden, werden in kleine Pakete aufgeteilt. Die Idee geht auf das ARPANET zurück, das 1969 vom US-Verteidigungsministerium gegründet wurde. Sie breitet sich erst langsam, dann rasend schnell über den Erdball aus.

1988 wird ein amerikanisches Forschungsnetz für weitere Netzwerke geöffnet. 1990 macht die Erfindung des „World Wide Web“ das Internet für die breite Allgemeinheit nutzbar. Im Verlauf von nur 25 Jahren werden 2,8 Milliarden Menschen über das Internet verbunden. Vom Wohnhaus bis zum Pulsmessgerät sind immer mehr Geräte „netzwerkfähig“ und tauschen Daten miteinander aus.

1977

Arpanet Netzwerk
Arpanet Netzwerk
© ARPAckvjkvbkb gngjtu NET [Public domain], via Wikimedia Commons

Sprache macht den Menschen – Ideen werden Wirklichkeit

Die Sprachfähigkeit verändert das Gemeinschaftsleben der frühen Menschen radikal. Als einzige Wesen können sie mit Worten Dinge beschreiben, die nur als Idee in ihrem Kopf existieren. So können Geschichten, Hinweise, Methoden und abstrakte Vorstellungen weitergegeben werden.

Mit der Sprache entwickeln sich ihre Fähigkeiten explosionsartig. Sie schaffen Kleidung, Werkzeuge, Musikinstrumente und Schmuck, gewinnen Metall aus Erz, entwickeln Ackerbau und Tierhaltung. Mit Sprache lassen sich außerdem auch Mythen und Götter beschreiben oder Gesetze formulieren – Dinge, die die Macht haben, Menschen über Raum und Zeit hinweg zu starken Gemeinschaften zu formen.

50.000 v. Chr.

Entwicklung der Kommunikation
Entwicklung der Kommunikation

Schrift als Grundlage von Hochkulturen

Die Entwicklung der Schrift führt zur Entstehung von immer komplexeren Gesellschaften. Schrift erlaubt Gelehrten, Erkenntnisse auszutauschen und kritisch weiterzudenken. Aufzeichnungen über Gütermengen und Geldbeträge vereinfachen Handelsgeschäfte. Der wachsende Umfang archivierten Wissens bringt Spezialisten hervor. Schrift macht es möglich, Gesetze zu formulieren, und sie erleichtert die Arbeit von Beamten, die Steuern verwalten und Urkunden ausstellen. Von den Pyramiden Ägyptens über die Kalender der Maya bis zu den Städten des römischen Reichs ermöglicht die Schrift eine Entwicklung von Wissen, ohne das Hochkulturen undenkbar wären.

ca. 3000 v. Chr.

Sumerische Schrifttafel als Mesopotamien
Sumerische Schrifttafel als Mesopotamien
© www.idw.de

Eine neue Kopierkultur – Demokratisierung von Wissen

Vor Erfindung des Buchdrucks wurden Texte überwiegend in Klöstern per Hand geschrieben und kopiert. Die Druckerpresse durchbricht dieses Monopol und macht Bücher zu einem Massenartikel. Schriftliche Texte erreichen nun zunehmend auch die bislang von der Bildung ausgegrenzte Mehrheit der Bevölkerung.

Um 1800 kann bereits mehr als die Hälfte der Bevölkerung im deutschsprachigen Raum lesen. Auch Forschung und Lehre an den Universitäten ändern sich grundlegend. Bis dahin gab es nur Vorlesungen aus wohl gehüteten Handschriften. Die Verbreitung von Büchern schafft für alle eine einheitliche Grundlage für den wissenschaftlichen Meinungsaustausch.

1541

Lutherbibel
Lutherbibel
© Lucas Cranach the Younger [Public Domain], via Wikimedia Commons

Massenkommunikation und Individualität

Im 20. Jahrhundert entwickeln die Massenmedien eine nie da gewesene Macht. Kriegspropaganda, Filmdiven, Popstars oder die Dokumentation von Sensationen wie der Mondlandung bewegen Millionen, ja Milliarden von Menschen. Gleichzeitig sorgen Konsum- und Popkultur mit einer Flut an Bildern, Filmen und Musikrichtungen für eine wachsende Vielfalt an individuellen Lebensstilen.

Die industrielle Produktion macht Geräte im Kleinformat für ein breites Publikum erschwinglich: Mit Kleinbildkamera, Plattenspieler, Super-8-Kamera, später dann Tonbandgerät, Kassettenrekorder und schließlich Video kann jeder sein eigenes Bild- und Tonarchiv anlegen.

1927

Plakat zum Film „Metropolis“ von Fritz Lang
Plakat zum Film „Metropolis“ von Fritz Lang
© 1927/2012 UFA/E.W.M.S.

Leben mit Computern – eine Welt aus Nullen und Einsen

Computer durchdringen alle Aspekte der Wirklichkeit. Die Welt erscheint zunehmend als eine Ansammlung von Daten, die sich verarbeiten lassen. Supercomputer simulieren die Natur, von Veränderungen im Erbgut bis zur Zukunft des Weltklimas. Rechenzentren koordinieren und überwachen die weltweite Kommunikation. Desktop-Rechner ersetzen Schreibbüros, Fotolabore und ganze Werkstätten. Autos und Häuser werden mithilfe von Computern „intelligent“. Smartphones und Datenbrillen, intelligente Kleidungsstücke und Mikrochips im Gehirn verbinden den Menschen immer enger mit den Daten der Welt.

2012

Digitale Finanzmärkte
Digitale Finanzmärkte

Leben mit dem Netz – im Globalen Gehirn

Das Internet wird für immer mehr Menschen zu einem unentbehrlichen Teil des Lebens, zu einer Erweiterung der Sinnesorgane und des Nervensystems. Schnell wie Gedanken rasen E-Mails, Tweets und andere Nachrichten an jeden Ort der Welt. Wie ein künstliches Gedächtnis machen Cloud-Dienste Bilder, Filme, Musik und Texte überall verfügbar.

Smartphones überwachen mit entsprechenden Apps die eigenen Körperfunktionen und fungieren als Ernährungs- und Lebensberater. Datenbrillen erweitern die Wahrnehmung der Realität um einen künstlichen siebten Sinn. Der einzelne Mensch wird Teil des Globalen Gehirns, mit dem er seine Daten freiwillig oder unfreiwillig teilt.

2014

Digitale Kommunikation
Digitale Kommunikation
 
   
Das Wissenschaftsjahr 2014 - Die Digitale Gesellschaft in Social Networks